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Transport auf zwei Beinen

Text: Martin Hoch, Bild: Daniela Kienzler

Die Camona da Medel wird mit viel Liebe bewartet. Dafür scheuen Gastgeberin Patricia Venzin und ihr Team keinen Aufwand. Und auch Gäste helfen mit.

Transport auf zwei Beinen

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Camona da Medel
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«Was könnt ihr aktuell am besten gebrauchen?» Die Frage richtet sich an Patricia Venzin, die Hüttenwartin der Camona da Medel. «Bringt doch ein paar Rüebli und einen Orangensaft mit», lautet ihre Antwort. Gerne den guten Orangensaft, den mit Fruchtfleisch. Es gehört zur Philosophie der Camona da Medel, dass Gäste, wenn sie wollen und noch etwas freien Platz im Rucksack haben, frische Lebensmittel vom Dorfladen in Curaglia mit hochnehmen. Berappt werden diese selbstverständlich von der Hüttenkasse. «Auch wir tragen jeweils Lebensmittel nach oben, wenn wir im Tal unten sind», fügt Patricia Venzin an.

Für den Betrieb einer bewarteten Berghütte auf 2'524 m ü. M. sind Helikopterflüge unvermeidbar. Aber das Beispiel der Camona da Medel zeigt: Man kann sie mit Planung und Muskelkraft durchaus reduzieren. So finden auch heute wieder zwei Kilo Rüebli und ein Orangensaft im Rucksack eines Gasts den Weg zur Hütte. Nebst dem Preis von 10.60 Franken kosten sie einen geschätzten halben Liter Schweiss. «In den Sommersaisons summiert sich der Transport durch die Gäste jeweils auf über 500 kg frische Lebensmittel.» Dazu kommen noch einige Kilogramm der kürzeren Wintersaisons.

Abgesehen vom genannten Orangensaft setzt man in der Camona da Medel aus Überzeugung auf regionale Produkte. Fleisch beziehe man direkt von Landwirten aus Sedrun oder aus der Val Medel, die Trockenwürste erhalte man aus Segnas von der Fleischtrocknerei Sialm und den Alpkäse holen sie bei Silvia und Roman Jud in Curaglia. Genauso finden die Haferflocken der Familie Deplazes aus Surrein oder die Konfitüren und Sirupe aus Venzins Familie den Weg hoch zur Hütte. Und für einen aufgeräumten Magen und etwas Glücksgefühle sorgen die delikaten Surreiner Destillate der Destillaria Candinas.

Patricia Venzin, welche die Camona da Medel mit ihrer Schwester Nadia als Stellvertreterin und einem engagierten Team führt, setzt sich aber auch für regionale Produkte ein, wenn sie zwischen den Saisons im Tal weilt. Dann arbeitet sie, «was für mich ein Glücksfall ist», bei der Fleischtrocknerei Sialm in Segnas. Gerade in der Vorweihnachtszeit laufe da der Betrieb auf Hochtouren. Als Hüttenwartin freut sie sich aber jeweils, wenn die Saison in der Höhe wieder losgeht. «Es hat schon was, weit weg von allem zu sein», sagt sie. Man lebe da oben in einer wunderbaren «Bubble». In was für einer denn? «Na eben, in der Ab-vom-Schuss-Bubble.» Sagt’s und lacht. Und wir finden: klingt verlockend.