Genusspartner

Veredler des weissen Golds

Text: Martin Hoch, Bild: Daniela Kienzler

Andreas und Lina Grob bieten in Brigels eine sortenreiche Käsevielfalt – aus bester Bio-Bergheumilch.

Veredler des weissen Golds

Kontakt

Cascharia Brigels
Via Pundual 3
7165 Breil/Brigels

info@cascharia.ch
+41 81 941 15 15

Webseite

Brigels – das Land, wo Milch und Honig fliessen. Ersteres passiert hier tatsächlich. Jeweils frühmorgens, von Juni bis September, wenn die Kühe auf der Alp Quader logieren. Dies dank einer Milchpipeline, die seit dem Sommer 1970 beste Milch von der Alp Quader hinunter zur 600 Meter tiefer gelegenen Cascharia fliessen lässt.

6.30 Uhr – das Handy des Brigelser Käsers Andreas Grob piepst. Ein Blick auf das Display zeigt, dass die Milch oben auf der Alp in die Pipeline eingelassen wurde. «Nun geht es eine halbe Stunde, bis sie hier ist.» Dann sind Andreas Grob und seine zwei Mitarbeitenden gefordert. Sie verarbeiten das weisse Gold zu Bündner Bergkäse, weiteren rund 20 Sorten und diversen Spezialitäten wie Butter, Joghurts oder Fondue-Mischungen. Seit Dezember 2025 dürfen sie dies in lichtdurchfluteten Räumen mit grossen Fenstern tun. An diesen bleiben auch gerne Vorbeiflanierende stehen, «und Kinder setzen sich aufs Fensterbrett, um uns neugierig beim Käsen zuzuschauen.» Der Umbau der Cascharia Brigels war auch dank dem PRE Cadi, einem vom Bund und Kanton geförderten «Projekt für regionale Entwicklung», möglich. Entstanden ist eine moderne Käserei mit grösseren Anlagen, «wodurch wir schlagkräftiger sind», so Grob. Heisst, man habe jetzt mehr Möglichkeiten, neue Produkte zu entwickeln und diese konstant im Angebot zu halten. «Beispielsweise gesellt sich zu unserem Weissschimmelkäse, dem Fluralva, neu auch ein Blauschimmelkäse.» Schon länger im Sortiment ist ein Feta, den man aber rechtlich so nicht nennen darf. So heisst er hier Nuorsalin, «was doch sympathischer klingt als Salzlakenkäse», sagt der Käser und lacht.

Neu ist die Käserei auch grosszügiger angelegt. Im ersten Stock, wo Andreas und Lina Grob bis vor dem Umbau noch wohnten, entstanden Lager-, Büro- und Technikräume. Wo sich einst das Schlafzimmer befand, stehen nun zwei Milchtanks mit einem Volumen von je 6000 Litern Milch. Die umgebaute Käserei ist insgesamt auf eine Verarbeitung von jährlich 1,2 Millionen Litern Milch ausgelegt. «Und dank all den Neuerungen ist es uns jetzt auch möglich, am Sonntag jeweils die Arbeit ruhen zu lassen.»

Fest an der Seite von Andreas Grob – im Geschäft wie auch in der Liebe – ist Lina Grob. Sie ist diplomierte Käsesommelière und führt die Administration wie auch den Verkaufsladen des Betriebs. Bei einer Besichtigung der Schatzkammer des Betriebs, dem Käsekeller, erklärt sie: «Unser Käsekeller ist eher trocken. Mein Mann mag Käse mit wenig Käseschmiere, der gleichzeitig rezent und intensiv im Aroma, aber nicht zu scharf ist.» Die junge Frau glaubt an die Käseproduktion im Bergdorf. Und an einen zeitgemässen Auftritt. Denn nebst dem Bündner Bergkäse, der nach Landquart ins Verteilzentrum der Sortenorganisation geliefert wird, setzen sie stark auf Selbstvermarktung. Sie dürfen über fünfzig Wiederverkäufer, etwa Dorf- und Hofläden, zu ihren Kunden zählen. Ihr Käse wird geschätzt. Ein Biss in einen offenbart, weshalb. «Diese Qualität schaffen wir dank hochwertiger Bio-Bergheumilch, die wir von unseren Bauern aus dem Dorf und von der Alp geliefert kriegen.» Für Käseliebhaber ist ein Biss in einen ihren Käse daher ein Ticket in den Käsehimmel. Oder eben ins gelobte Land.