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Spezialist für geistreiche Wasser

Text: Roland Falk, Bild: Daniela Kienzler

Gion Candinas in Surrein brennt Schnäpse der Spitzenklasse – und trinkt am liebsten seinen Enzian.

Spezialist für geistreiche Wasser

Kontakt

Destillaria Candinas
Plazzas 62
7173 Surrein

info@destillaria.ch
+41 81 943 33 40

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Ein Brand ist bei ihm kein Fall für die Feuerwehr. Gion Candinas, ein humorvoller Bergler, ist Inhaber der hochprozentig gelobten, nach ihm benannten Destillerie in Surrein. «Ich brenne alles, was erlaubt ist», sagt er, der sein Handwerk in der sechsten Generation ausübt. 

Candinas Sortiment umfasst 20 Sorten geistreiches Wasser, «variierend je nach Menge des verfügbaren Obstes». Alle darf man in einem modernen Gastraum degustieren, ebenso den Gin «Breil pur», den er für zwei Flachländer herstellt. Candinas Favorit ist der Schnaps, den er aus den Wurzeln des purpurnen Enzians gewinnt, welche er mit seiner Frau Anna in Handarbeit an nahen Hängen ausbuddelt. Diese Schätze wäscht und häckselt er, worauf sie bis fünf Wochen «in einem Fass mit warmem Wasser und Hefe» gären – in einem Raum, «der 25 bis 30 Grad Temperatur haben muss». Erst dann sind sie fällig für die Endarbeit. 

Eigentlich ist Candinas Lohnbrenner, einer, der alles verarbeitet, was Leute von ihren Bäumen holen. Angeliefert wird fertige Maische, «aber bei Bedarf bereite auch ich diese zu». Wichtig ist, dass nur sauberes Obst in die Fässer kommt, möglichst ungespritzt, denn «ein Wurm ist weniger negativ als Pestizide». Und bei Obst wie Kirschen oder Zwetschgen dürfen die Steine nicht zermalmt werden, «denn sonst wird Blausäure frei». Die Lohnbrennerei macht etwa zwei Drittel von Candinas Arbeit aus. 

Arbeit – die hat er zuhauf, denn der Surreiner ist seit 30 Jahren auch Kleinbauer mit 16 Mutterkühen: «Ich brenne nur von Oktober bis spätestens Mai.» Ständig sucht er nach Neuem, unterstützt von seiner Anna. Rund 15 000 Liter produziert die Destillerie jährlich, «ohne Aromastoffe». Zu den gefragten Tropfen gehören unter anderem solche aus Dörrbirnen, orangefarbenen Vogelbeeren oder Tannschösslingen. Beim Brennen schmeckt Candinas alles mit der Nase ab, denn «würde ich das mit dem Gaumen tun, wäre ich schnell nicht mehr funktionstüchtig». 

Willy Millowitsch sang 1960 den Schlager «Schnaps, das war sein letztes Wort». Für Candinas ist das Wort noch nicht ultimativ, aber wichtig. Wie für Ursin, den jüngsten seiner beiden Söhne: «Er ist an allem so interessiert, dass die siebte Generation von Brennern denkbar ist.»