Das Fleisch von Andri Giossis schottischen Hochlandrindern in Rueras mundet sensationell.
Einen Satz wird ihm höchstwahrscheinlich nie jemand bestätigen: «Meine Tiere sind fotogener als ich», behauptet Andri Giossi, 35, der in Rueras schottische Hochlandrinder züchtet. Im Laufstall stehen 16 Mutterkühe und ein Stier – imposante Wesen von bis zu 600 Kilo und mit Riesenhörnern, deren Spitzen weit über einen Meter auseinanderliegen. «Manchmal bekomme ich einen deftigen Stoss ab», sagt der hellwache Bio-Suisse-Bauer, auf dessen rechtem Arm ein Tattoo eines seiner Schützlinge prangt.
Inklusive Kälbern und Rindern umfasst Giossis exotische Herde 47 Tiere. Alle tragen einen Namen, «aber spontan habe ich nicht jeden präsent». Pro Jahr schlachtet Metzger Venzin in Disentis 15 Kälber. Den Bolzenschuss setzt er ihnen im Freien, sodass sie keinen Stress verspüren. «Ich bin jeweils bis zur letzten Sekunde bei ihnen», sagt Andri.
Das Fleisch, «sehr aromatisch, eher dunkel und wunderbar marmoriert», nehmen ihm Dörfler, Zweitheimische und Touristen ab. Meist im Hofladen der Eltern, in dem auch Spezialitäten wie Trockenwürste, Honig oder eingelegte Pilze angeboten werden. «Für mich selbst gibt es zudem fast keinen Tag, an dem ich nichts von meinen Tieren esse».

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Vor knapp drei Jahren hat Andri den Zuchtbetrieb von seinen Altvorderen Anita und Tadeus übernommen. «Sie stehen mir mit Rat und Tat zur Seite, aber sehr dezent», rühmt sie der gelernte Landmaschinenmechaniker, der vor seinem Engagement in Rueras sieben Jahre als Lastwagenfahrer arbeitete.
Andris Schotten sind pflegeleicht. «Sie verstehen Romanisch, ich muss nicht Englisch reden mit ihnen». Eine Stunde täglich stehen sie im Fressgitter, 23 Stunden «können sie machen, was sie wollen». Automatische Bürstgeräte pflegen ihr Fell. Und die Sommer verbringen sie auf einer Alp. «Ich denke, sie sind recht verwöhnt». Was sich definitiv auf die Fleischqualität auswirkt.
Nebst seinen Schwergewichten in Schwarz oder Braun hält Giossi auch 100 Schafe, 35 Hühner und als «allesfressende Landschaftspfleger» 10 Geissen. «Langweilig wird es mir somit nie», sagt der Bauer mit dem auffälligsten Traktor der Gegend: Auf dem Dach des Gefährts verrät ein gigantisches Hornpaar, wer Andris Alltag bestimmt.
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