Pater Murezi Casanova kultiviert im Klostergarten von Disentis Wohlfühlkräuter für geistreiche Heissgetränke.
Kloster Disentis
Via Claustra 1
7180 Disentis/Mustér
abtei@kloster-disentis.ch
+41 81 929 69 00
Einen Casanova im Kloster? Gibt es. Allerdings hat Pater Murezi Casanova hinterm hehren Gemäuer von Disentis mit der literarischen Figur nur den Nachnamen gemeinsam. Seine Liebe gehört Kräutern, die er im Garten hegt und pflegt und die ihn täglich spüren lassen, «wie vielfältig die Herrlichkeit Gottes ist». Bodenständigkeit und Überirdisches – das ist für ihn untrennbar.
Etwa 30 Pflanzen verarbeitet Murezi mit zwei anderen Benediktinern nebst Aroniabeeren und getrockneten Feigen zu Tee für den hauseigenen Laden. Zitronenmelisse steht im Angebot, aber auch Selteneres wie Königskerze, Eibisch und Ringelblumen. Für jede Saison kreiert das Team spezielle Verschnitte, die in einem Prospekt als Garanten für «Erholung pur», für ein «gutes Bauchgefühl» oder für «innere Ruhe» gepriesen werden. «Im Tee steckt Spiritualität, der macht etwas mit uns», ist Murezi überzeugt.




Anbauen, ernten, trocknen, mischen – «alles ist Handarbeit», sagt der gelernte Landschaftsgärtner aus Lumnezia, der mit 20 Jahren zu «Ora et labora», zum Beten und Arbeiten, ins Kloster eintrat und heute 30 ist. Schon als Kind hatte er «die Magie dieses Ortes gespürt». Trotzdem überlegte er lange, wie zeitgemäss Religion noch ist und ob sie ihm «Antworten auf meine Tausenden von Fragen» geben könne. Heute ist er «fasziniert vom Mönchtum», das er mit 21 Mitbrüdern lebt. «Ich bin ja nicht ab der Welt. Viele unserer Gäste helfen im Garten mit und tauschen mit mir Gedanken aus.»
Der feinsinnige Murezi, der am 12. April 2024 vom Churer Bischof Joseph Maria Bonnemain zum Priester geweiht wurde, ist nicht nur in Glaubensfragen, sondern auch botanisch mit viel Wissen gesegnet. Teekräuter, sagt er, müssen schnell trocknen, damit sie Farbe und Aroma nicht verlieren. «Erst geschah dieser Prozess im einstigen Schwimmbad des Klosters, jetzt aber haben wir ihn in den geeigneteren Estrich verlegt» – ein Stück näher zum Herrn also.
Kräuter, sagt Murezi, seien durch die Jahrhunderte in vielen Klöstern gezogen worden. Im Laden der Disentiser Glaubensgemeinschaft gibt es auch Bier, ein anderes mönchisches Traditionsprodukt. «Das wird aber auswärts gebraut – wir machen nur die Etikette». Logisch – der Geist des Hauses ist viel nachhaltiger.
