Ein unvergleichliches Ambiente und eine fantasievolle Küche – das sind die grossen Pluspunkte der Stiva Grischuna von Disentis.
Stiva Grischuna
Via Cavardiras 3
7180 Disentis/Mustér
info@stivagrischuna.ch
+41 81 947 52 36
Die niedere Stubendecke ist aufwendig geschnitzt, das Mobiliar, wie sie, antik. In der Stiva Grischuna von Disentis, laut Prospekt «ländlicher Rokoko», wirkt alles zeitenthoben. Ausser natürlich Flurina und Michael Häsch-Maissen, das seit Dezember 2020 rührige Wirtepaar. Die beiden sind 36-jährig und lernten sich als Köche bei der Arbeit im Basler Fünfsternehaus «Les Trois Rois» kennen. Michael, der Küchenchef der Stiva, ist ein kerniger Bayer, fühlt sich aber «nie als Fremdkörper im Dorf».
Fremd und ungewollt dagegen waren die Franzosen, die 1799 Krieg gegen Österreich führten und Zwischenhalt in Disentis machten. Die Bewohner mussten sie zwangsweise durchfüttern, aber bald platzte ihnen der Kragen und sie massakrierten Dutzende der Eindringlinge. «Aus Rache legten die Überlebenden überall Feuer», weiss Flurina, deren Eltern 38 Jahre lang die Geschicke der Stiva bestimmten.

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Diese überstand den Brand «nur ganz leicht angesengt». Seit 1805 unverändert ist sie heute eine Topadresse für Feinschmecker von nah und fern. In der übersichtlichen Speisekarte machen einem die Häschs unter anderem das delikate Stroganoff nach Art von Flurinas Papa schmackhaft, das überbackene Entrecôte Stiva und das in der Gastronomie selten gewordene Chateaubriand. Letzteres wird «wie unsere leckeren Schnecken» oft als positiver Kontrast des Hauses zur einst unangenehmen französischen Zeit gedeutet. Damals wütete in Disentis der verhasste Kommissar Fromage, und so ist es fast logisch, dass in der Stiva auch Käse zu haben ist: «Bei einem Freund von uns lagern jederzeit zwölf delikate Laibe von der Alp Naustgel ob Surrein», sagt Flurina.
Das Kolorit der Stiva Grischuna, die Küche mit 13 GaultMillau-Punkten – diese Dualität überzeugt. «99 Prozent unserer Gäste sind begeistert», spürt Michael, der auch privat der Herdmeister ist. «Ich wasche dafür ab», sagt Flurina. Der Ski-Crack Carlo Janka war schon da, selbst der Starkoch Andreas Caminada, und beide kamen bestimmt nicht bloss wegen den 80 Positionen Wein im Keller.
Unter einem der neun Tische im Restaurant taucht der Hauskater Rocky auf. Ein Gourmet wie die Gäste? «Nein, ein Banause», sagt Michael – «der frisst nur Trockenfutter».
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